Gentest
Untersuchung von →DNA, um Rückschlüsse auf verschiedene Aspekte eines Individuums zu ziehen, z.B. Krankheitsursachen oder Verwandtschaft.
Ethik:
Gentests unterscheiden sich von anderen medizinischen Diagnosen: Ihre Aussagen sind über lange Zeiträume gültig und können auch Verwandte betreffen. Das durch Gentests erworbene Wissen um eine schwere Erbkrankheit hat Folgen für die persönliche Lebens- und Familienplanung. Der Umgang mit Krankheitsprognosen ist individuell sehr verschieden. Es gibt Betroffene, welche die Möglichkeit von Gentests schätzen und diese als Zunahme ihrer selbstbestimmten Lebensführung erleben. Andere ziehen es vor, nicht abzuklären, ob sie das Risiko tragen, am schweren Erbleiden in ihrer Familie zu erkranken. Aus ethischer Sicht ist zu fordern, dass sich Betroffene nur nach gründlicher Information für oder gegen einen Test entscheiden (informed consent). Denn es gibt auch ein Recht auf Nichtwissen. Betroffenen muss eine umfassende ärztliche Beratung und Begleitung angeboten werden. Liegen Resultate aus Gentests vor, die eine spätere Erkrankung erwarten lassen, ist zu gewährleisten, dass diese nicht zu Diskriminierungen im Versicherungswesen und auf dem Arbeitsmarkt führen. Diese Grundsätze sind in der Schweiz gesetzlich verankert.
Die meisten
Gentests werden an Personen durchgeführt, die Krankheitssymptome aufweisen. Das Wissen um die genetischen Ursachen hilft, die Krankheit zu verstehen und ihren Verlauf abzuschätzen. In der Krebsbehandlung spielen diagnostische Gentests eine wichtige Rolle. Denn je nach Gendefekt sprechen die Krebszellen auf andere Medikamente an. Neben den diagnostischen gibt es auch prädiktive (vorausschauende) Tests. Diese spüren Krankheiten auf, die noch nicht ausgebrochen sind, etwa die dominant vererbte Huntington-Krankheit. Diese führt zu einem Nervenabbau mit schweren Beeinträchtigungen für die Betroffenen. Da es keine Vorbeugung gibt, ist das Wissen um die
Mutation äusserst belastend, kann aber für die Lebensplanung wichtig sein. Bei
Erbkrankheiten, deren Ausbruch sich verhindern lässt, sind prädiktive Gentests ein grosser Vorteil. Z.B. bei der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie, auf die in der Schweiz alle Neugeborenen untersucht werden.
Unter pränataler Diagnostik versteht man Untersuchungen, um gewisse Krankheiten beim ungeborenen Kind nachzuweisen bzw. auszuschliessen. Gibt es in der Verwandtschaft Erbkrankheiten oder liegt ein anderweitiger Verdacht vor, kann das Erbmaterial des Fötus untersucht werden. Im Falle eines krankhaften Befundes haben die Eltern in der Regel nur zwei Möglichkeiten: Sie entscheiden sich für das Leben mit dem kranken oder behinderten Kind oder für einen Schwangerschaftsabbruch.
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Letzte Änderung: 2008-11-20 16:39:16