Wie entsteht medizinischer Fortschritt?
Wie lassen sich Krankheiten besser verstehen und neue Therapien entwickeln? Und welche Rolle spielen Tierversuche dabei heute noch? Diese Fragen standen an der Scientifica 2026 im Zentrum zweier Veranstaltungen, die Gen Suisse besucht hat.
Die Kurzvorlesung «Warum die Medizin Tierversuche braucht» von Prof. Dr. Johannes Bohacek am 23. August am Campus Irchel beleuchtete historische Meilensteine und aktuelle Beispiele aus den Neurowissenschaften. Dabei wurde deutlich: Tiermodelle haben zu wichtigen medizinischen Fortschritten beigetragen und spielen auch in der biomedizinischen Grundlagenforschung weiterhin eine Rolle. Gleichzeitig stehen Tierversuche in der Schweiz unter grossem Rechtfertigungsdruck. Umso wichtiger ist es, transparent zu erklären, wann Tierversuche notwendig sind, welche Erkenntnisse sie ermöglichen und wo ihre Grenzen liegen.
Forschung mit Tieren und Alternativen
Am Schlusswochenende der Scientifica gab die Ausstellung «Tierversuche im Wandel: Forschung mit Tieren und Alternativen» Einblick in die heutige Forschungspraxis. Anschauliche Beispiele, Bilder, Videos und interaktive Stationen zeigten, in welchen Bereichen Tierversuche noch nicht vollständig ersetzt werden können – und wo bereits alternative Methoden zum Einsatz kommen.
Im Mittelpunkt standen die 3R-Prinzipien: Replace – Tierversuche ersetzen, wo immer dies möglich ist; Reduce – die Zahl der eingesetzten Tiere verringern; und Refine – Verfahren verbessern und die Belastung der Tiere reduzieren. Die Ausstellung machte greifbar, dass moderne Forschung beides braucht: die sorgfältige Weiterentwicklung von Alternativmethoden und eine verantwortungsvolle, fachlich fundierte Forschung mit Tieren dort, wo derzeit noch keine gleichwertige Alternative zur Verfügung steht.
Wissenschaft braucht Offenheit und Dialog
Für Gen Suisse war die Scientifica eine wichtige Gelegenheit, die öffentliche Diskussion aus nächster Nähe mitzuerleben. Die Veranstaltungen zeigten, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Forschenden und der Bevölkerung ist – gerade bei einem Thema, das emotional bewegt und gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird.
Eine faktenbasierte Debatte darf weder die Bedeutung von Tierversuchen für den medizinischen Erkenntnisgewinn ausblenden noch die Verantwortung gegenüber den Tieren relativieren. Sie muss beides zusammenbringen: die Frage, welche Forschung heute notwendig ist, und das klare Ziel, Tierversuche durch bessere Methoden zu ersetzen, zu reduzieren und zu verbessern.
Gen Suisse setzt sich dafür ein, dass diese Fragen offen, verständlich und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse diskutiert werden. Der Besuch an der Scientifica hat gezeigt: Ein konstruktiver Dialog ist möglich – wenn Forschung transparent erklärt wird und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen.
Weiterführende Informationen
Kurzvorlesung «Warum die Medizin Tierversuche braucht»
Ausstellung «Tierversuche im Wandel: Forschung mit Tieren und Alternativen»

