Lange bevor Genscheren wie CRISPR/Cas oder molekulare Diagnoseverfahren zum Alltag der Medizin gehörten, legten Forscherinnen und Forscher an Schweizer Universitäten das Fundament für unser heutiges Verständnis der Vererbung. Wer waren diese Pionierinnen und Pioniere und was trieb sie an?
Diesen Fragen geht Prof. em. Hansjakob Müller in seinem neu erschienenen Buch Schweizer Pioniere der Genetik nach. Der emeritierte Professor für Medizinische Genetik an der Universität Basel, der die Abteilung für Medizinische Genetik am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) über viele Jahre leitete, porträtiert darin knapp 40 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Medizin. Jedes Porträt beleuchtet nicht nur die wissenschaftlichen Beiträge der jeweiligen Person, sondern auch ihr persönliches Umfeld. Er macht deutlich, unter welchen Bedingungen bahnbrechende Erkenntnisse entstehen.
Das Buch beschränkt sich dabei nicht auf Erfolgsgeschichten. Müller widmet sich auch einem schwierigen Kapitel: den eugenischen Massnahmen in der Schweiz während der beiden Weltkriege. Diese kritische Auseinandersetzung macht das Werk zu mehr als einer Sammlung von Biografien – es ist zugleich eine Reflexion über die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft.
Ergänzt werden die Porträts durch eine Übersicht der genetischen Fachgremien in der Schweiz und deren Aktivitäten. Die Texte sind bewusst verständlich gehalten und richten sich an Fachleute ebenso wie an ein interessiertes Laienpublikum. Skizzen lockern die Lektüre auf und helfen, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen.
Hans-Jakob Müller ist dem Netzwerk von Gen Suisse seit Jahren verbunden, zuerst als Stiftungsrat und heute als Mitglied des Patronatskomitees. Sein Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Geschichte der Genetik und macht deutlich, wie viel Schweizer Forschungsgeist in den Grundlagen steckt, auf denen die moderne Genetik heute aufbaut.
Hansjakob Müller: Schweizer Pioniere der Genetik. ISBN 978-3-7245-2868-5; erhältlich bei reinhardt und ex libris.
